Digitale Souveränität: Warum deutsche Firmen scheitern – trotz klarem Bewusstsein
Darius CasparDigitale Souveränität: Warum deutsche Firmen scheitern – trotz klarem Bewusstsein
Eine neue Studie offenbart eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der digitalen Souveränität deutscher Unternehmen. Zwar erkennen die meisten Firmen deren Bedeutung an, doch nur ein kleiner Teil verfügt über konkrete Pläne. Die Erkenntnisse stammen aus dem Digital-Souveränitäts-Index (DSI), der von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute erstellt wurde.
Laut der Umfrage betrachten 92 Prozent der Unternehmen digitale Souveränität als zentrales Thema. Dennoch haben lediglich 21 Prozent eine eigenständige Strategie dafür entwickelt. Viele Betriebe setzen nach wie vor auf nicht-europäische Anbieter für kritische Technologien, darunter Cloud-Dienste, Software und KI.
Im Durchschnitt bewerten die Unternehmen ihren aktuellen Reifegrad mit 65,8 Prozent. Ihr Ziel liegt höher – bei 77,8 Prozent –, doch nur wenige streben vollständige Unabhängigkeit an. Stattdessen suchen sie einen Kompromiss zwischen Kontrolle und Praxistauglichkeit.
Die Verantwortung für digitale Souveränität liegt häufig bei den IT-Abteilungen: In 46 Prozent der Fälle treffen diese die Entscheidungen. Nur 25 Prozent binden den Vorstand in die Aufsicht ein. Trotzdem wären 80 Prozent der Firmen bereit, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt 17 Prozent mehr.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnt, dass Unternehmen die langfristigen Risiken unterschätzen. Seiner Meinung nach sollte digitale Souveränität ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sein – und nicht nur ein IT-Thema.
Die Studie zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Umsetzung. Die meisten Unternehmen erkennen zwar den Bedarf an digitaler Souveränität, doch es fehlt an strukturierten Ansätzen. Angesichts der weiterhin hohen Abhängigkeit von ausländischen Anbietern deutet die Untersuchung darauf hin, dass Firmen künftig wachsende Herausforderungen bei der eigenständigen Absicherung von Daten und Geschäftsprozessen bewältigen müssen.






