22 March 2026, 10:17

Riesige Seen statt Braunkohle: Warum das Rheinische Revier vor einem riskanten Experiment steht

Alte Karte des Rheins in Deutschland, die Flüsse, Städte und geografische Merkmale zeigt, mit Text oben und unten.

Riesige Seen statt Braunkohle: Warum das Rheinische Revier vor einem riskanten Experiment steht

Ein gigantisches Projekt zur Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue im rheinischen Revier schreitet voran – trotz wachsender Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Umweltrisiken. Bis 2030 sollen drei riesige Tagebaulöcher mit Rheinwasser geflutet und in Erholungsseen umgewandelt werden. Kritiker warnen jedoch, dass Fragen zur Wasserqualität, steile Böschungen und die langfristige Nachhaltigkeit des Vorhabens noch ungeklärt sind.

In der ersten Phase soll ab 2030 der Tagebau Hambach geflutet werden, gefolgt von Inden im selben Jahr und Garzweiler 2036. Um das Wasser bereitzustellen, baut RWE eine 45 Kilometer lange Pipeline aus 10.000 Rohren, von denen einige einen Durchmesser von bis zu 2,2 Metern haben. Die Leitung, die im Januar von der Bezirksregierung Arnsberg genehmigt wurde, soll Rheinwasser in die Gruben umleiten – doch die Erlaubnis zur Einleitung in Hambach steht noch aus.

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Umweltverbände wie der BUND und "Alle Dörfer bleiben" schlagen Alarm wegen der Wasserqualität des Rheins. Sie verweisen auf den Gehalt an "Ewigkeitschemikalien" wie PFAS und die Gefahr einer Grundwasserverschmutzung. Der scharfe Kritiker des Projekts, Andreas Büttgen, argumentiert, RWE könne sich bei auftretenden Problemen aus der Verantwortung stehlen. Zudem fordert er strengere Kontrollen und eine Reinigung des Rheinwassers, bevor es in die Gruben geleitet wird.

Die Flutung selbst wird voraussichtlich 40 Jahre dauern, wobei auch danach kontinuierlich Wasser zugeführt werden muss, um den Pegel zu halten. Gleichzeitig verschärft Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region die Sorgen um Wasserknappheit. Während RWE die Seen als zukünftige Zentren für Tourismus, Natur und Arbeitsplätze bewirbt, zweifeln Kritiker an der Machbarkeit angesichts der steilen Grubenwände und des dauerhaften Wasserbedarfs.

Ob die Umwandlung der Tagebaue in Seen gelingt, hängt von den noch ausstehenden Genehmigungen und der Lösung der Umweltprobleme ab. Bei erfolgreicher Umsetzung könnte das Projekt die Landschaft und Wirtschaft der Region nachhaltig prägen. Doch ungelöste Fragen zu Wassersicherheit, langfristigem Unterhalt und industrieller Wassernutzung könnten die Pläne verzögern oder verändern.

Quelle