Paderborns Erzbistum deckte jahrzehntelang Missbrauchstäter und vernachlässigte Opfer
Eleonora JunitzStudie beleuchtet sexualisierte Gewalt in der Erzdiözese Paderborn - Paderborns Erzbistum deckte jahrzehntelang Missbrauchstäter und vernachlässigte Opfer
Eine neu veröffentlichte unabhängige Studie hat aufgedeckt, dass Kardinäle im Erzbistum Paderborn über Jahrzehnte hinweg Täter gedeckt und Opfer sexualisierter Gewalt vernachlässigt haben. Die am 12. März veröffentlichten Erkenntnisse basieren auf acht Jahrzehnten kirchlicher Akten – von 1941 bis 2022 – und konzentrieren sich auf die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt. Erzbischof Udo Markus Bentz reagierte umgehend und kündigte Sofortmaßnahmen sowie einen Dialog mit Betroffenen an.
Die von den Historikerinnen Nicole Priesching und Christine Hartigen geleitete Untersuchung sollte ursprünglich 2026 abgeschlossen werden. Verzögerungen ergaben sich, nachdem die Forscherinnen auf weitaus mehr Quellenmaterial stießen als erwartet; hinzu kamen Behinderungen durch die COVID-19-Pandemie. Ihr vorläufiger Bericht offenbart ein Muster des Täterschutzes bei gleichzeitiger Gleichgültigkeit gegenüber den Geschädigten.
Das Erzbistum Paderborn, eine der sieben zentralen katholischen Diözesen Deutschlands, erstreckt sich über weite Teile Nordrhein-Westfalens – von Minden im Norden bis Siegen im Süden. Es umfasst zudem Teile des hessischen Landkreises Waldeck-Frankenberg sowie die niedersächsische Stadt Bad Pyrmont und betreut 1,3 Millionen Katholiken. Sein Einfluss reicht über regionale Grenzen hinaus und nimmt eine bedeutende Stellung in der Struktur der deutschen Kirche ein.
Als Reaktion auf die Studienergebnisse kündigte Bentz eine gemeinsame Erklärung mit Vertretern der Opfer an, die für den Tag nach der Veröffentlichung des Berichts geplant ist. Das Erzbistum sagte zudem drei regionale Dialogveranstaltungen und fortlaufende Gespräche mit Betroffenen zu. Parallel prüft eine unabhängige Kommission (UAK) weiterhin Akten, um zu bewerten, wie mit Fällen über die Jahre hinweg umgegangen wurde.
In einer zweiten Phase der Studie wird nun die Amtszeit von Hans-Josef Becker untersucht, der das Erzbistum von 2002 bis 2022 leitete. Ziel dieser weiteren Recherchen ist es, zu klären, ob sich die Versäumnisse der Vergangenheit unter seiner Führung fortsetzten.
Die Veröffentlichung der Studie markiert einen entscheidenden Moment für das Erzbistum Paderborn, das jahrzehntelanges systemisches Versagen bei der Aufarbeitung von Missbrauch aufdeckt. Während die weiteren Untersuchungen zur Ära Becker laufen, hat die Kirche Transparenz und direkten Austausch mit den Opfern zugesagt. Ob diese Bemühungen zu spürbaren Veränderungen führen, wird in den kommenden Monaten genau beobachtet werden.