Berliner Theatertreffen feiert epische Marathon-Aufführungen und lange Inszenierungen
Mina BenthinBerliner Theatertreffen feiert epische Marathon-Aufführungen und lange Inszenierungen
Deutschlands Theaterszene ist seit langem für ihre Marathon-Aufführungen bekannt. Von siebenstündigen Epen bis zu zwölfstündigen Sagas – Regisseure und Publikum haben sich gleichermaßen der Herausforderung ultra-langer Produktionen gestellt. Dieser Trend setzt sich beim diesjährigen Berliner Theatertreffen fort, einem der renommiertesten Festivals für deutschsprachiges Theater im Land.
Die Tradition ausufernder Inszenierungen etablierte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Aufstieg des Regietheaters. Theater begannen, mit ambitionierten, weitläufigen Produktionen zu experimentieren, die sowohl Darsteller als auch Zuschauer auf die Probe stellten. Ein extremes Beispiel war Luk Percevals "Schlachten", das 1999 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde und volle zwölf Stunden dauerte.
Das Berliner Theatertreffen, das seit 1964 jährlich stattfindet, präsentiert die meistbeachteten Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im diesjährigen Programm steht unter anderem die Inszenierung der Münchner Kammerspiele "Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen", eine siebenstündige Adaption von Schillers Trilogie. Gleichzeitig bereitet die Berliner Volksbühne eine Neuauflage von "Peer Gynt" vor, dessen erster Teil in früheren Inszenierungen allein acht Stunden dauerte.
Nicht alle Produktionen folgten jedoch diesem Muster. Während und kurz nach der Pandemie setzten viele Theater auf kürzere, pausenlose Stücke. Doch die Faszination für ausdauernde Inszenierungen bleibt bestehen. 2023 brachte das Schauspielhaus Bochum"Die Brüder Karamasow" in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne – ein Beweis dafür, dass langatmige Dramen nach wie vor Publikum anziehen.
Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Theatertreffens, begegnete dem Phänomen erstmals 2007. Zwar gibt es keine offiziellen Statistiken – der Deutsche Bühnenverein erfasst keine Spieldauern –, doch sie betont, dass solche Produktionen zu einem prägenden Merkmal der hiesigen Theaterlandschaft geworden sind.
Das diesjährige Theatertreffen unterstreicht einmal mehr die deutsche Vorliebe für episches Theater. Mit "Wallenstein" (sieben Stunden) und der Rückkehr von "Peer Gynt" in ebenso monumentaler Form zeigt sich: Die Tradition ist quicklebendig. Das Publikum bleibt bereit, sich auf Inszenierungen einzulassen, die Zeit, Geduld und die Bereitschaft zur vollständigen Hingabe verlangen.






