23 March 2026, 08:20

Berliner Kulturkrise: Warum das HKW nach Chefket-Absage in der Isolation steht

Menge mit Fahnen und Schildern vor dem Brandenburger Tor in Berlin, mit einer Fahne auf der rechten Seite.

Berliner Kulturkrise: Warum das HKW nach Chefket-Absage in der Isolation steht

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steckt in einer eskalierenden Krise, nachdem es ein Konzert des Rappers Chefket abgesagt hat. Die Entscheidung folgte auf Druck des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer, der sich an den politischen Äußerungen des Künstlers störte. Die Affäre hat mittlerweile zu einem Boykott weiterer deutscher Künstler geführt und dem international renommierten Haus schweren Schaden zugefügt.

Chefket, ein schwäbischer Rapper und ehemaliger "Rap-Botschafter" des Goethe-Instituts, sollte im Oktober 2023 im HKW auftreten. Die Veranstaltung wurde jedoch abgesagt, nachdem er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" in arabischer Kalligrafie und einer Umrisszeichnung Israels getragen hatte. Die Stornierung fiel zeitlich mit dem Jahrestag eines Hamas-Angriffs auf Israel zusammen und entfachte eine Debatte über künstlerische Freiheit und politische Neutralität.

Die Folgen sind verheerend: Sämtliche anderen deutschen Künstler, die im HKW auftreten sollten, haben ihre Teilnahme aus Solidarität mit Chefket zurückgezogen. Selbst prominente Persönlichkeiten wie der TV-Satiriker Jan Böhmermann, der eine Ausstellung mit dem Titel "Die Möglichkeit des Unvernunft" geplant hatte, distanzieren sich nun von der Institution.

Die Probleme des HKW fallen in die Amtszeit von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, einem kamerunischen Kurator, der 2023 berufen wurde. Sein "postkoloniales" Programm stößt in Teilen der deutschen Kulturszene auf Kritik. Trotz der exponierten Lage des Hauses in unmittelbarer Nähe zum Bundeskanzleramt wurde es von der Bundespolitik lange vernachlässigt. Die jüngsten Ereignisse haben diese Isolation noch vertieft – und overshadowen internationale Auftritte wie ein Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Kritiker sehen in dem Streit ein Symptom für tiefere Konflikte über Deutschlands Rolle in politischen Auseinandersetzungen. Manche winken ab und halten die Debatte für eine Ablenkung: Der Nahost-Konflikt werde schließlich nicht durch "mittelmäßige deutsche Rapper" gelöst. Doch der Boykott hat das HKW in eine existenzielle Krise gestürzt – sein Ruf als globaler Kulturort ist schwer beschädigt.

Die Absage von Chefkets Konzert löste eine Welle von Rückzügen aus, sodass dem HKW nun deutsche Acts fehlen. Seine internationale Strahlkraft hat gelitten, während die Diskussionen über Zensur und politische Meinungsfreiheit weitergehen. Fürs Erste bleibt die Institution im Zentrum eines ungelösten Konflikts – ohne absehbare Lösung.

Quelle