ABC-Klassen in NRW: Warum Pädagog:innen und Politiker:innen das umstrittene Sprachfördermodell ablehnen
Darius CasparABC-Klassen in NRW: Warum Pädagog:innen und Politiker:innen das umstrittene Sprachfördermodell ablehnen
Pläne zur Einführung von ABC-Klassen in Nordrhein-Westfalen (NRW) stoßen auf Kritik – sowohl bei Pädagog:innen als auch bei Kommunalpolitiker:innen. Das Modell soll zwar frühkindliche Sprachförderung stärken, doch es gibt Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf den Kita-Alltag und bestehende Förderstrukturen. Manche befürchten, dass es eher zusätzliche Bürokratie schafft als die Lernerfolge der Kinder zu verbessern.
Das geplante ABC-Klassen-System sieht vor, Kinder mit besonderem Sprachförderbedarf aus ihren regulären Kita-Gruppen zu nehmen, um sie gezielt zu fördern. Fachkräfte, darunter die Fröbel-Gruppe, warnen jedoch, dass dadurch pädagogische Zeit verloren gehe, Gruppengrößeren ansteigen und der administrative Aufwand wachse. Die Frühpädagogin Maja Wehrmann betonte, dass das Herauslösen der Kinder aus vertrauten Umfeldern ihre Lernprozesse stören und Stigmatisierungsrisiken bergen könnte.
Die Expertin Simone Lammert wies auf ein strukturelles Problem hin: Die neuen Klassen könnten ein paralleles System schaffen, statt bestehende Angebote zu stärken. Kommunalpolitiker:innen unterstützten diese Kritik und argumentierten, dass die mangelnde Abstimmung des Landes mit den Kommunen eine verlässliche Planung erschwere. Zudem gebe es keine umfassenden Studien zu ähnlichen Modellen in anderen Bundesländern – die langfristige Wirksamkeit bleibe daher unklar.
In Solingen etwa befürworten CDU und Grüne zwar die frühe Sprachförderung, lehnen das ABC-Modell aber ab. Stattdessen setzen sie sich für die Stärkung bewährter Kita-Programme ein. Die Sprachförder-Expertin Jessica Schliewe unterstrich diese Position: Kinder lernten am besten in vertrauten Beziehungen und im gewohnten Kita-Alltag.
Im Kern geht es um die Frage, ob das ABC-Modell nahtlos integrierbar ist oder unnötige Hürden schafft. Kritiker:innen fordern das Land auf, den Entwurf bis März 2026 zu überarbeiten – mit mehr kommunaler Einbindung und evidenzbasierten Ansätzen. Ohne Nachbesserungen droht der Plan, Bürokratie zu vermehren, ohne dass Kinder davon spürbar profitieren.






