Wie Kieler Werften und Seemannslieder ein Leben prägten
Für Michael Krieg waren die Geräusche der Kieler Werften der Soundtrack seiner Kindheit. Das Hämmern der Nieten und das Dröhnen der Nebelhörner erfüllten die Luft in der Nähe der inzwischen stillgelegten Howaldtswerke, wo er bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr lebte. Seine Faszination für das Meer beschränkte sich nicht auf die Docks – sie erstreckte sich auf Musik, Filme und die Geschichten von Seeleuten, die nach Abenteuern dürsteten.
Krieg verbrachte seine frühen Jahre umgeben vom Treiben des Schiffbaus. Das Segelschulschiff der deutschen Marine, die Gorch Fock, und andere Schiffe weckten sein Interesse und entfachten eine lebenslange Leidenschaft für das Leben zur See. Daneben entdeckte er die Freude an Seemannsliedern, lauschte Sängern wie Freddy Quinn, Lale Andersen und Hans Albers, dessen markante Stimme und raue Ausstrahlung ihn zu einer Legende machten.
Seine Verbindung zur Musik ging jedoch über das bloße Zuhören hinaus. Als Mitglied des Kirchenchors sang Krieg an der Seite eines Sängers des Lotsen-Gesangvereins, eines traditionellen Lotsenchors. Die Lieder vom Meer waren allgegenwärtig – selbst im Film Große Freiheit Nr. 7 aus dem Jahr 1944, in dem Albers den singenden Matrosen Hannes Kröger verkörperte, der sich nach der Weite des Ozeans sehnte. Im Film treibt Krögers unerfüllte Liebe zu einer Frau namens La Paloma ihn dazu, auf der Padua anzuheuern, einem der legendären Flying P-Liner.
Die Padua – heute bekannt als das russische Segelschulschiff Kruzenshtern – ist der letzte erhaltene Viermastbark aus jener Zeit. Ihre Präsenz in Filmen und Liedern hielt den Geist der Flying P-Liner am Leben, selbst als die echten Schiffe von den Meeren verschwanden.
Die Kindheitserinnerungen an die Kieler Werften und die Musik vom Meer blieben Krieg auch lange nach der Schließung der Werften erhalten. Die Geschichten von Seeleuten wie Hannes Kröger, die Lieder von Hans Albers und der Anblick der majestätischen Schiffe hinterließen einen bleibenden Eindruck. Noch heute segelt die Kruzenshtern über die Meere – ein lebendiges Denkmal der maritimen Welt, die einst einen Jungen an den Kais in ihren Bann zog.






