22 April 2026, 16:30

Wie die Dresdner Obergraben-Presse die Kunstszene revolutionierte

Schwarzes und weißes architektonisches Grundrissbild der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek in Dresden, Deutschland, mit detaillierten Raumplänen und handschriftlichen Anmerkungen.

Wie die Dresdner Obergraben-Presse die Kunstszene revolutionierte

Ende der 1970er Jahre verwandelte eine Gruppe von Künstlern in Dresden eine leere Wohnung in ein Zentrum für experimentellen Druck. Was als Suche nach künstlerischer Freiheit begann, entwickelte sich bald zur Dresdner Obergraben-Presse – einem Kollektiv, das Kunst, Verlagswesen und Ausstellungsarbeit verband. Das Projekt entstand durch das Engagement eines Druckers, eines Malers und eines Theoretikers, die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten einbrachten.

Die Idee nahm Gestalt an, als der Drucker Jochen Lorenz die Routineaufträge wie das Drucken von Fahrplänen für die Deutsche Reichsbahn leid war. Er sehnte sich nach anspruchsvolleren Projekten. Zur gleichen Zeit bezog der Maler Eberhard Göschel 1978 ein größeres Atelier und hinterließ eine dreizimmerige Wohnung, die ungenutzt blieb. Dieser Raum wurde zum Fundament für ihre Experimente.

Göschel und der Bildhauer Peter Herrmann arbeiteten bereits seit 1976 im Arbeitskreis des Leonhardi-Museums zusammen. Herrmann besaß eine seltene italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die Bernhard Theilmann sorgfältig restaurierte. Ihr gemeinsames Interesse am Druckhandwerk traf auf Lorenz' technisches Know-how.

Unterdessen verfeinerte der Künstler A.R. Penck seine Theorie Vom Untergrund zum Obergrund, in der er untersuchte, wie Kunst aus verborgenen Räumen in die Öffentlichkeit gelangen konnte. Obwohl sich seine eigene Gruppe Lücke – 1971 gegründet und 1976 wieder aufgelöst – bereits aufgelöst hatte, prägten seine Ideen die Ausrichtung des Kollektivs. Gemeinsam gründeten sie die Obergraben-Presse als Werkstatt, Verlag und Galerie und verbanden handwerkliche Präzision mit künstlerischer Vision.

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Die Dresdner Obergraben-Presse entstand aus einer Mischung von verfügbarem Raum, restaurierter Technik und gemeinsamem Ehrgeiz. Sie bot Künstlern eine Plattform, um Werke außerhalb offizieller Kanäle zu produzieren und zu präsentieren. Mit ihrer Verbindung von Druckkunst, Verlagstätigkeit und Ausstellungen hinterließ das Kollektiv bleibende Spuren in der unabhängigen Dresdner Kunstszene.

Quelle