05 April 2026, 04:18

Wie ARD und ZDF mit persönlichem Storytelling junge Zuschauer gewinnen wollen

Schwarze Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Überschrift "Weitpreubliche Zeitung" und einem Foto von Menschen in traditioneller deutscher Tracht in einer feierlichen Umgebung.

Wie ARD und ZDF mit persönlichem Storytelling junge Zuschauer gewinnen wollen

ARD und ZDF setzen auf neue Wege, um junge Zielgruppen zu erreichen – mit persönlicheren Reportageformaten, in denen Reporter:innen selbst im Mittelpunkt der Erzählung stehen. Damit soll Nachrichtenjournalismus nahbarer werden, doch die Frage nach der ausbalancierten Berichterstattung stellt sich neu.

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Eine aktuelle Studie untersuchte fünf Reportagereihen, die speziell für 14- bis 29-Jährige konzipiert sind. Diese Formate setzen auf eine ich-perspektivische, emotional aufgeladene Erzählweise und brechen damit bewusst mit der traditionellen journalistischen Neutralität. Gerade weil sie authentisch und direkt wirken, stufen junge Zuschauer:innen sie oft als glaubwürdig ein.

Ein besonders erfolgreiches Beispiel ist Terra X, das 2023 ein enormes Wachstum verzeichnete: Die Videos in der ZDFmediathek wurden über 30 Millionen Mal aufgerufen – fünfmal so oft wie noch 2010. Auf YouTube erreichte der Kanal 175 Millionen Aufrufe, während die TV-Ausstrahlungen im Schnitt 3,55 Millionen Zuschauer:innen verfolgten (Marktanteil: 14,8 %). Die Reihe erzielte zudem eine Reichweite von 70 Prozent bei allen ab drei Jahren, die mindestens eine Minute schauten.

Doch der Ansatz hat auch Schattenseiten: Dominiert die persönliche Haltung der Reporter:innen zu sehr, rückt das eigentliche Thema mitunter in den Hintergrund. Einige Formate tun sich zudem schwer mit tiefgehender Recherche und der Einordnung in größere Zusammenhänge – Analyselücken sind die Folge.

Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass junge Zuschauer:innen die wachsende Flut ähnlicher "Ich-zentrierter" Formate langsam überdrüssig werden. Die Herausforderung für die Sender ist klar: Sie müssen die persönliche Ansprache, die das Publikum bindet, mit anspruchsvollem Journalismus verbinden.

Öffentlich-rechtliche Sender stehen vor einem Spagat, wenn sie junge Zielgruppen erreichen wollen. Persönliches Storytelling steigert zwar die Bindung, doch es bleiben Bedenken hinsichtlich Tiefe und Ausgewogenheit. Wie sie diese Spannung auflösen, wird die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Jugendprogramms prägen.

Quelle