22 April 2026, 04:19

Verbotene Chemikalien in Nivea und Schwarzkopf: Warum die EU-Kontrollen versagen

Rotes und gelbes Schild mit der Aufschrift "Organisches Peroxid 5,2", das eine gefährliche Substanz anzeigt.

Verbotene Chemikalien in Nivea und Schwarzkopf: Warum die EU-Kontrollen versagen

Tausende verbotene Kosmetikprodukte sind in Europa weiterhin im Handel erhältlich – trotz strenger EU-Vorschriften. Untersuchungen zeigen, dass bekannte Marken und Online-Händler nach wie vor Artikel anbieten, die schädliche Chemikalien enthalten, die mit Fruchtbarkeitsstörungen und Krebs in Verbindung gebracht werden.

Eine aktuelle Überprüfung deckte verbotene Stoffe in Produkten großer Marken wie Nivea und Schwarzkopf auf und wirft Fragen nach Lücken in der Marktüberwachung auf. Mitte März wurde etwa eine Tube Schwarzkopf-Glitzer-Haargel erworben, die Lilial (BMHCA) enthielt – ein Duftstoff, der in der EU seit über vier Jahren verboten ist. Die nach Maiglöckchen riechende Chemikalie steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Trotz des Verbots konnten Rechercheure des Investigativmediums CORRECTIV zudem drei weitere verbotene Produkte online kaufen, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit demselben Wirkstoff.

Das Problem beschränkt sich nicht auf Lilial. Auch Prostaglandin-Analoga, die in einigen Kosmetikartikeln enthalten sind, können die Fruchtbarkeit schädigen und das Krebsrisiko erhöhen. Dennoch sind solche Produkte weiterhin in großen Drogeriemärkten erhältlich. Andere gefährliche Inhaltsstoffe wie PFAS ("Ewigkeitschemikalien") oder Hydrochinon – ein wahrscheinlich krebserregender Hautaufheller – tauchen weiterhin in Kosmetika auf.

Seit 2012 wurden über 4.000 Kosmetikprodukte wegen Gesundheitsrisiken vom EU-Markt genommen. Doch die Kontrollen kommen mit der Flut neuer Artikel kaum nach. Täglich kommen in Europa 800 neue Kosmetikprodukte auf den Markt; aktuell sind rund 600.000 erhältlich. 2025 prüfte die EU über 1,6 Millionen Websites und identifizierte mehr als 20.000 illegale Produkte, viele davon auf Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress.

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Nun stehen in zwei Ausschüssen des EU-Parlaments Abstimmungen über die "Chemikalien-Omnibus"-Novelle an. Sollte sie verabschiedet werden, könnten verbotene Produkte noch länger in den Regalen bleiben – und ihre Entfernung aus dem Verkehr würde sich weiter verzögern.

Der Fund verbotener Chemikalien in weit verbreiteten Kosmetikartikeln offenbart Schwächen bei den EU-Sicherheitskontrollen. Während tausende illegale Produkte weiterhin zugänglich sind, stehen die Behörden vor der Herausforderung, Verbraucher wirksam zu schützen. Die anstehende Abstimmung über die "Chemikalien-Omnibus"-Novelle wird zeigen, ob es künftig strengere Kontrollen gibt – oder weitere Verzögerungen.

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