17 March 2026, 00:39

Thalia Theater verhandelt AfD-Verbot in spektakulärem Scheinprozess

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit "Der Prozess gegen die britische Armee in London, England".

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Thalia Theater verhandelt AfD-Verbot in spektakulärem Scheinprozess

Ein kühnes neues Theaterprojekt wird in diesem Monat am Hamburger Thalia Theater Realität: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert ein dreitägiges Scheinverfahren mit dem Titel Der Prozess gegen Deutschland, in dem geprüft wird, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Die Veranstaltung verbindet juristische Debatten mit performativen Elementen – statt Schauspieler treten echte Juristen auf.

Der Prozess gegen Deutschland ist Teil der Hamburger Lessingtage, eines politischen Festivals, das 2010 von Joachim Lux gegründet wurde. Die diesjährige Ausgabe wird von Matthias Lilienthal kuratiert, der Raus provokanten Ansatz an das Thalia Theater geholt hat. Anders als im klassischen Theater wird die Veranstaltung als quasi-gerichtliche Verhandlung ablaufen, geleitet von Herta Däubler-Gmelin, einer ehemaligen deutschen Justizministerin, die als Richterin fungiert.

Rau ist bekannt für seinen postdramatischen Stil, der dokumentarischen Realismus, Publikumspartizipation und gezielte Provokation vereint. Zu seinen früheren Werken zählen Das Kongo-Tribunal (2015), in dem belgisch-kongolesische Kolonialverbrechen in mehreren Städten "verhandelt" wurden, sowie MOÑAKA (2017), eine in Kinshasa entstandene Produktion, die sich mit Kinderprostitution auseinandersetzt. Jüngere Projekte wie PutinsKinder (2023) thematisierten die Indoktrination junger Menschen in Russland, während Brecht My Life & Works (2017) Bertolt Brechts Erbe mit autobiografischen Brüchen dekonstruierte.

Der Hamburger Prozess wird live auf der Website des Theaters übertragen und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Rechtsexperten und Juristen werden den Fall verhandeln – ganz im Sinne von Raus Markenzeichen, reale Konflikte in immersives, partizipatives Theater zu verwandeln.

Das Projekt ist ein weiteres prominentes Experiment in Raus Schaffen, in dem Theater zum Ort direkter politischer Auseinandersetzung wird. Das Publikum erlebt eine Mischung aus Recht und Performance, während die Zukunft der AfD auf dem Prüfstand steht. Der Livestream sorgt dafür, dass die Debatte über die Theaterwände hinaus wirkt.

AKTUALISIERUNG

Jury spaltet sich bei AfD-Verbot in Nachshow-Urteil

Das dreitägige Theaterverfahren endete mit einem gespaltenen Jury-Urteil. Wichtige Erkenntnisse sind:

  • Verfassungswidrig in Menschenwürde: 5-2
  • Verbot empfohlen: 2-3 (kein klares Verbot)
  • Überprüfung des Verbotsverfahrens: 5-2
  • Ausschluss staatlicher Förderung: 4-3