Scharfe Kritik an polemischem Kurier-Gastbeitrag über Milo Rau – Stil statt Substanz
Mina BenthinScharfe Kritik an polemischem Kurier-Gastbeitrag über Milo Rau – Stil statt Substanz
Ein kürzlich erschienener Gastbeitrag im Kurier hat scharfe Kritik sowohl an Stil als auch an Inhalt ausgelöst. Der Artikel, der sich gegen den Theaterregisseur Milo Rau richtete, wurde von Lesern als verschachtelt und selbstverliebt abgetan. Kritiker warfen ihm vor, er biete kaum mehr als hohlen Klang.
Der Beitrag zielte auf Raus provokantes Schaffen ab, doch sein eigener Tonfall zog weit mehr Aufmerksamkeit auf sich. Als Monolog beschrieben, der über die Köpfe anderer Kulturschaffender hinweg geführt werde, wurde der Text als abgehoben und herablassend kritisiert. Statt sich direkt mit Raus Werk auseinanderzusetzen, schien er sich lediglich im Schein dessen Provokationen zu sonnen – ohne substanzielle Kritik beizutragen.
Einige Leser nannten den Artikel ein Meisterstück der diskursiven Selbstimmunisierung: Er erzeuge zwar Reaktionen, hinterlasse aber wenig Greifbares. Die Autorin oder der Autor wirke zufrieden mit einer metaphysischen Haltung – sie oder er inszeniere Tiefe, ohne sie zu liefern. Das Opernhaus, dargestellt als Ort selbstgefälliger Bewahrung, wurde zur Metapher für die wahrgenommene Abgeschottetheit des Beitrags.
Das vernichtendste Urteil lautete, die Lektüre sei schlicht nicht der Mühe wert. Statt Raus Feuer zu erhellen, habe es den Anschein, als wärme sich die Autorin oder der Autor lediglich die Hände daran.
Die Gegenreaktion offenbart eine wachsende Verärgerung über Kulturkommentare, die den Stil über den Inhalt stellen. Während Raus Fähigkeit zu provozieren unbestritten bleibt, deutet die Resonanz auf den Artikel hin: Leser erwarten mehr als bloße Performanz der Kritik. Die Debatte verlagert sich nun darauf, ob solche Texte jenseits selbstbezogener Echoeffekte überhaupt einen Zweck erfüllen.






