01 April 2026, 00:19

Neslihan Arol bringt osmanisches Erzähltheater mit feministischer Note nach Berlin

Mann in weißem Hemd und braunen Hosen, der in ein Mikrofon spricht, vor einem pinken 'Berlin as Fuck'-Plakat auf der Bühne.

Neslihan Arol bringt osmanisches Erzähltheater mit feministischer Note nach Berlin

Neslihan Arol lässt in Berlin eine uralte Kunstform mit modernem Twist wiederaufleben. Mit ihren Auftritten als Meddah – einem traditionellen osmanischen Erzähltheater – verbindet sie Humor, Politik und Feminismus. Was einst eine heimliche Leidenschaft war, ist heute zu einer bahnbrechenden Karriere geworden.

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Arols Weg auf die Bühne war alles andere als geradlinig. Ursprünglich als Chemieingenieurin ausgebildet, widmete sie sich später heimlich der Schauspielerei. 2014 zog sie nach Berlin, um für ihre Promotion über Komödie, Clowns und das Meddah-Theater zu forschen – ein Projekt, das ganze acht Jahre in Anspruch nahm. Schon ihre Masterarbeit hatte Clowns aus feministischer Perspektive untersucht und sie als Mittel gesehen, sich von traditionellen Frauenrollen zu befreien.

Ihr erster Meddah-Auftritt in Berlin fand 2015 im Bavul Café in Kreuzberg statt. Damals adaptierte sie türkische Volksmärchen als Solo-Stücke. Mit der Zeit erweiterten sich ihre Arbeiten zu multimedialen Ensemble-Produktionen, die zeitgenössische Themen, Musik und Video einwebten. 2026 leitet sie Meddah Modern, eine Gruppe, die regelmäßig im Ballhaus Naunynstraße auftritt. Das Ensemble gastierte international, unter anderem in Istanbul und Wien, und feierte kürzlich in Berlin die Premiere von Meddah Dialogues – ein Projekt, das sich mit Migrationsgeschichten beschäftigt.

Auf der Bühne schlüpft Arol in Dutzende Rollen, wechselt mühelos zwischen Deutsch, Türkisch und Englisch. Neben ihr steht ein kleines Teelicht, das die Vergänglichkeit der Geschichten symbolisiert, die sie erzählt. Sie entzündet es zu Beginn der Vorstellung, lässt die Flamme den Zauber des Augenblicks verkörpern. Wenn der Abend endet, bläst sie das Licht aus und verabschiedet sich vom Publikum – mit dem Versprechen, bald mit neuen Erzählungen zurückzukehren.

Traditionell eine männlich dominierte Kunstform, erhält das Meddah in Arols Händen eine neue Bedeutung. Ihre Auftritte sind lebendig, mehrsprachig und scharf politisch – stets durch eine feministische Linse betrachtet. Sie fragt, was passiert, wenn eine Frau diese jahrhundertealte Rolle übernimmt – und antwortet mit Witz, Energie und kühner Kreativität.

Arols Werk hat sich von Solo-Adaptionen zu groß angelegten Produktionen mit globaler Reichweite entwickelt. Ihr jüngstes Projekt, Meddah Dialogues, sprengt weiterhin Grenzen, indem es Migration durch Erzählkunst erkundet. Mit jedem Auftritt hält sie eine uralte Tradition am Leben – und macht sie zugleich dringend relevant für das heutige Publikum.

Quelle