Karenztage: Warum die Rückkehr zu unbezahltem Krankengeld für Streit sorgt
Mina BenthinKarenztage: Warum die Rückkehr zu unbezahltem Krankengeld für Streit sorgt
In Deutschland entzündet sich eine Debatte über Pläne zur Wiedereinführung von Karenztagen – Tagen ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Idee findet zwar bei einigen Politikern und Denkfabriken Anklang, stößt aber auf scharfe Kritik von Gesundheitsexperten und der Bevölkerung.
Erstmals ins Spiel gebracht hatte die Karenztage der Kronberger Kreis als Maßnahme zur Effizienzsteigerung im System der Entgeltfortzahlung. 2024 verknüpfte das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung die aktuellen Regelungen mit einer höheren kurzfristigen Krankheitsquote. Der FDP-Politiker Carl-Julius Cronenberg schlug daraufhin vor, ab 2025 bis zu drei solche Tage einzuführen.
Doch der Widerstand gegen das Vorhaben formierte sich schnell: In einer #whatsnext-Studie der Techniker Krankenkasse (TK) lehnten zwei Drittel der Befragten jede Kürzung der Lohnfortzahlung ab. TK-Chef Jens Baas argumentierte, dass Einschnitte bei den Leistungen Krankheiten nur hinauszögerten und die Fehlzeiten sogar verschlimmerten. Die Personalexpertin Magdalena Rogl kritisierte zudem die einseitige Fixierung auf die Entgeltfortzahlung und betonte, dass Fehlzeiten ein komplexes Problem seien – entscheidend sei vielmehr das Vertrauen am Arbeitsplatz.
NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann warnte vor einer Rückkehr zu Karenztagen und verwies auf negative Erfahrungen in der Vergangenheit. Sein Ministerium setzt stattdessen auf betriebliche Gesundheitskulturen und Vertrauensaufbau. Auch Unternehmen selbst priorisieren bessere Arbeitsbedingungen statt Leistungskürzungen, da sie Karenztage ohne gesetzliche Grundlage nicht umsetzen könnten.
Die Diskussion bleibt umstritten. Ohne gesetzliche Änderungen können Betriebe die Regelung nicht einführen, und der Widerstand von Gesundheitsexperten sowie Beschäftigten lässt die Pläne fragwürdig erscheinen. Der Fokus liegt vorerst darauf, Arbeitsumfelder zu verbessern – statt die Lohnfortzahlung zu beschneiden.






