EU-Emissionshandel wird reformiert: Chemiebranche erhält Sonderregeln bis 2026
Darius CasparEU-Emissionshandel wird reformiert: Chemiebranche erhält Sonderregeln bis 2026
Die Europäische Kommission wird an diesem Mittwoch ihre ersten Vorschläge zur Reform des EU-Emissionshandels (ETS) vorlegen. Die Pläne enthalten zentrale Zugeständnisse an die chemische Industrie und markieren damit eine Abkehr von früheren, strengeren Maßnahmen. Branchenvertreter und Politiker hatten seit Langem Anpassungen gefordert, um Umweltziele mit wirtschaftlichen Belangen in Einklang zu bringen.
Evonik-Chef Christian Kullmann hatte zuvor gefordert, das ETS entweder abzuschaffen oder grundlegend zu reformieren. In einem jüngst im Handelsblatt veröffentlichten Gastbeitrag, den er gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese verfasste, zeigte er sich jedoch kompromissbereiter: Beide plädierten für pragmatische Lösungen und kluge Kompromisse.
Die überarbeitete Position der Kommission sieht nun mehrere Änderungen vor. Eine zentrale Anpassung betrifft den Marktstabilitätsmechanismus (MSR): Die Regelung, wonach Zertifikate, die ein Volumen von 400 Millionen überschreiten, gestrichen werden, soll dauerhaft entfallen. Zudem werden die ETS-Benchmarks aktualisiert, um die Bedürfnisse der chemischen Industrie besser zu berücksichtigen. Eine weitere geplante Änderung ist die Senkung des linearen Reduktionsfaktors (LRF) von 4,4 auf 3,4 Prozent, wie Ursula von der Leyen ankündigte. Die Reformen sollen bis Ende März 2026 finalisiert werden.
Die Anpassungen spiegeln einen flexibleren Ansatz wider, der die Belastung für die Industrie verringern, die Klimaziele jedoch aufrechterhalten soll. Besonders die chemische Branche profitiert von den überarbeiteten Benchmarks und dem Wegfall der Zertifikatestreichungen.
Die Reformen stehen für einen Kompromiss zwischen Umweltpolitik und industriellen Erfordernissen. Durch den Verzicht auf die Streichung überschüssiger Zertifikate und die Anpassung der Reduktionsziele will die EU Unternehmen entlasten, ohne die Emissionsziele aus den Augen zu verlieren. Die endgültigen Vorschläge sollen bis 2026 in voller Länge vorgelegt werden.






