Angélica Liddells makabres Meisterwerk über Tod und Ekstase bei den Wiener Festwochen
Mina BenthinAngélica Liddells makabres Meisterwerk über Tod und Ekstase bei den Wiener Festwochen
Die Wiener Festwochen 2024 eröffneten mit einer kühnen Auseinandersetzung mit Leben, Tod und dem Makabren. Mit ihrem neuesten Werk Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben feierte Angélica Liddell am Donnerstag im Volkstheater Premiere. Die Inszenierung taucht ein in das Leben und den Tod von Fremden, die sich bewusst für den Freitod entschieden.
Liddells zweistündige Produktion verwebt persönliche Traumata mit historischen Tragödien. Am 7. Januar 2024 wurde sie in Madrid Zeugin eines Suizids, ein Erlebnis, das das Stück tief prägte. Ihre Kompanie, Atra Bilis Teatro, sammelte Kleidungsstücke der Verstorbenen, die Liddell auf der Bühne trägt – während sie deren Geruch einatmet, um ihr Leid zu kanalisieren.
Die Aufführung umfasst eine Nachstellung von Yukio Mishimas rituellem Selbstmord, Seppuku, und verbindet dabei Nō-Theater mit westlicher Performancekunst. Der japanische Schriftsteller inszenierte 1966 in einem Kurzfilm seinen eigenen rituellen Tod, bevor er sich 1970 tatsächlich das Leben nahm. Liddell verflicht sein Schicksal mit dem der Toten, denen sie in ihrer Recherche nachspürt.
Düstere Humormomente stehen neben einer ekstatischen Verteidigung des Suizids. Durch diese Elemente konfrontiert sie ihre eigenen Ängste und hinterfragt die Entscheidungen jener, die sich für den Tod entschieden. Die Premiere setzt einen markanten Auftakt für die thematischen Schwerpunkte des Festivals. Durch den Einsatz realer Kleidungsstücke und ihre eindringlichen Darstellungen holt Liddell die Geschichten der Verstorbenen auf die Bühne. Die Inszenierung fordert das Publikum heraus, sich der Sterblichkeit und den komplexen Emotionen rund um die Selbstzerstörung zu stellen.






